Wäre es als Menschenbaby geboren, hätte man dieses "Frühchen" in einem Brutkasten sorgfältig gepflegt. Als Tierkind in einem Schafstall zur Welt gekommen, bleibt es in der Regel sich selbst überlassen, was in diesem Fall den sicheren Tod für das winzige Lämmchen bedeutet hätte. Vermutlich durch eine radikale Futterumstellung wurde bei dem trächtigen Muttertier eine Fehlgeburt (d.h. Frühgeburt) ausgelöst, und das Lamm war auf Grund seines Entwicklungszustandes noch nicht alleine lebensfähig. Es war viel zu klein und schwach, das Fell bestand nur als Flaum auf der dünnen rosafarbenen Haut, die Ohren waren noch ganz nackt und vor allem war der Saug- und Schluckreflex noch nicht ausgebildet. Das bedeutete für mich, als ich das kleine Wesen einige Stunden nach der Geburt zu mir nahm, daß ich ihm zunächst rund um die Uhr in kurzen Abständen tröpfchenweise die Milch mit einer Spritze ins Maul eingeben mußte. Da sich das "Darmpech" auch nicht gleich löste, und dadurch der Darmausgang verstopft war, mußte ich den Kot durch einen Einlauf lösen. Inzwischen haben wir alle Hürden genommen, und in der warmen Küche in "Obhut" von Hunden und Katzen schläft der kleine Bock einer sorgenfreien Zukunft entgegen.